In Anlehnung an
Situationsansatz
„Das Leben der Kinder ist der Lehrplan.“
Der Situationsansatz entstand in den 1970er-Jahren in Deutschland und ist heute der Bezugsrahmen, auf den sich die meisten Bildungspläne der Länder stützen. Wer in einer deutschen Kita arbeitet, arbeitet meistens damit, oft ohne es so zu nennen.
Der Grundgedanke. Kinder lernen nicht an ausgedachten Übungen, sondern an dem, was in ihrem Leben gerade wirklich vorkommt: Ein Geschwisterkind kommt zur Welt. Die Straße vor der Kita wird aufgerissen. Ein Kind zieht um. Solche Schlüsselsituationen sind der Ausgangspunkt: Aus ihnen entstehen Projekte, Fragen und Übungsanlässe, die für die Kinder Bedeutung haben.
Drei Ziele trägt der Ansatz vor sich her: Autonomie (ich kann etwas selbst), Solidarität (wir gehören zusammen und achten aufeinander) und Kompetenz (ich weiß, wie das geht). Sie gelten gleichrangig: Können ohne Rücksicht ist kein Bildungsziel.
Wie der Alltag aussieht. Es gibt kein festes Wochenprogramm, das abgearbeitet wird. Das Team beobachtet, worüber Kinder sprechen, was sie beschäftigt, und analysiert gemeinsam, welche Situation dahintersteht. Kinder entscheiden mit: in Kinderkonferenzen, bei Regeln, bei der Frage, was als Nächstes erkundet wird. Erkundungen führen nach draußen: zur Baustelle, zum Markt, in die Werkstatt. Alters- und Kulturmischung ist gewollt, Vielfalt ist der Normalfall und kein Sonderthema.
Was das für Beobachtung bedeutet. Ein Entwicklungsschritt wird nicht isoliert geübt, sondern in der Situation aufgegriffen, in der er ohnehin gebraucht wird. Wer zählen lernt, deckt den Tisch. Wer verhandeln lernt, verhandelt um das Laufrad. Genau deshalb passen die Empfehlungen dieses Ansatzes fast immer auch dann, wenn eine Einrichtung sich zu keinem Ansatz bekennt.
Wo der Ansatz an Grenzen kommt. Er sagt sehr genau, woraus Lernanlässe entstehen, aber wenig darüber, welches Material dabei hilft. Wer eine konkrete Materialidee sucht, findet sie eher bei Montessori; wer den Umgang mit einem Säugling sucht, eher bei Pikler.
- Rolle der Erwachsenen
- Beobachtet, was Kinder beschäftigt, analysiert die Situation dahinter im Team und macht daraus Lernanlässe, statt ein Programm abzuarbeiten. Beteiligt Kinder an Entscheidungen, auch an unbequemen.
- Typisches Material
- Alltagsgegenstände und echte Werkzeuge, Erkundungen im Umfeld, Dokumente aus dem Leben der Kinder (Fotos, Fahrkarten, Baupläne). Material wird nicht angeschafft, sondern gefunden.